Gleneagles live erlebt

Mein persönlicher Ryder Cup

Von Uwe Goertz

 

 

So weit, so gut ...

So weit, so gut …

 

 

 

 

 

 

 

 

„Gentlemen, meiden Sie bitte un-be-dingt das Rough!!!“

„Gentlemen, meiden Sie bitte un-be-dingt das Rough!!!“

„Gentlemen, meiden Sie bitte un-be-dingt das Rough!!!“ Die sonore Stimme des Starters im Kilt hallt eindinglich über den ersten Abschlag des Centenary Kurses in Gleneagles. Die Warnung gilt sicher auch für die besten Golfer aus Europa und Amerika. Sie werden Ende September hier zum Golfspektakel des Jahres aufteen: Dem 40. Ryder Cup der Geschichte. Und in ein paar Minuten tue ich es auch …

 

Diese  Ehre ist das Ergebnis und der Gewinn einer Golfrunde, „wo einfach alles stimmte“ bei der letztjährigen EM der Journalisten in Winston Golf bei Schwerin. Heute scheinen allerdings meine Arme sehr fest zu sein und eine Aufregung ist spürbar. Dabei schauen ja noch nicht einmal ein paar Millionen Menschen weltweit zu – wie in ein paar Wochen. Sondern nur zwei Australier, Vater und Sohn aus Sydney und mein schottischer Freund Steve. Mit Letzterem spiele ich heute meinen persönlichen Ryder Cup aus: Matchplay um eine 1-Baht-Banknote. (Wert: 0,02 Euro). Oder ehrlich gesagt: Um eine Kopie. Das Original ist im Laufe der Jahre unseres Wettstreits verloren gegangen.

 

Wesentlich mehr Geld sollte man im Geldbeutel haben, wenn man im Gleneagles Hotel nächtigen möchte. Preise ab 450 Euro aufwärts.

Das Gleneagles Hotel bietet eine einzigartige Atmosphäre. Außen wirkt es wie ein Sagen-Schloss, innen dominiert der Jugendstil.

Das Gleneagles Hotel bietet eine einzigartige Atmosphäre. Außen wirkt es wie ein Sagen-Schloss, innen dominiert der Jugendstil.

Dafür gibt es eine einzigartige Atmosphäre in einem Hotel, das außen wie ein Sagen-Schloss wirkt. Innen dominiert der Jugendstil: Mit Tanzsälen und langen Fluren, in denen Linford Christie seine 200-Meter-Indoor-Läufe hätte trainieren können.

 

Doch das wirkliche „Outstanding“ an diesem Ort ist die überall spürbare Tradition und die Lockerheit aller Mitarbeiter. Vielleicht hatte der korpulente Schweizer beim Frühstück ja Recht  und dieser Ort ist „wieder zum weltweit besten Golfresort gewählt worden“. Meiner Freundin Ines und mir fehlt da allerdings der Vergleich. Aber legendär ist es schon.

13.08 Uhr: Der Vater aus Sydney schlägt als Erster ab. Dieser Hammer Hook würde in ein paar Wochen Millionen Fans zum Aufschrei bringen. Der Mann aus Downunder wird dagegen nur in den nächsten viereinhalb Stunden die Schwierigkeit des Platzes und die Zähigkeit des Rough mit mir bisher unbekannten australischen Flüchen betiteln. Selbst Steve kann nicht alle übersetzen. Und mein Freund ist von Beruf Installateur.

 

Mein Ball verfehlt das Fairway um zwei Meter. Der Starter hatte leider Recht. Das schon jetzt gedüngte (Un-)Kraut ist für einen Amateur kaum spielbar. Steve gewinnt das erste Loch. Doch schon am nächsten Par 5 folgt der Ausgleich. Mit einem kurzen Putt zum Birdie!

 

Das Ziel der Begierde bei meinem persönlichen Ryder Cup in Gleneagles: Matchplay um eine 1-Baht-Banknote.

Das Ziel der Begierde bei meinem persönlichen Ryder Cup in Gleneagles: Matchplay um eine 1-Baht-Banknote.

Merke: Für einen Amateur kommen die zahlreichen Bunker von Jack Nicklaus selten ins Spiel. Auch von den Tiger-Abschlägen scheint der Platz für die Besten keine Unmöglichkeit. Doch ab Anfang Juni wird dieser neuste der drei Plätze in Gleneagles wohl sein Gesicht verändern: Dann spielt hier niemand mehr und die Greenkeeper übernehmen. Die weißen Linien auf dem Fairway geben einen Eindruck, wie eng im Vergleich zu meinem Golftag hier die Bahnen dann sein werden. Und eben abseits davon – in der schottischen Heide – fallen die Entscheidungen um Sieg oder Niederlage. Denn die Grüns sind sogar für mich gut spielbar.

 

30 Putts reichen, damit am Ende die Kopie des Thai-Königs in eine deutsche Hosentasche wandert. Ende September werde ich am Fernsehen den Ryder Cup verfolgen. Und jedem, der es auch nicht hören will, mein schönstes Ferienerlebnis erzählen: Loch zwei und der Gewinn des persönlichen Ryder Cup …

 

 

UWE GOERTZ

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